Hirnforschung: Essen wir uns dumm?

Wie wichtig ist die Ernährung für unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden? Wie wichtig ist die Ernährung fürs Lernen? Wie wichtig ist die Ernährung für unser Gehirn? Tatsache ist: Das Hirn braucht viel Energie – ein Fünftel der Energie, die wir im Körper verbrennen, verbraucht das Gehirn. Doch Forscher schlagen Alarm: Wir werden immer dümmer! Der Intelligenzquotient (IQ) der Menschen in den Industrieländern sinkt seit Ende der 90er Jahre.

Seit etwa 1950 stieg der IQ vierzig Jahre lang stetig an. Mit Beginn der neunziger Jahre hörte die Steigerung der IQ-Werte auf – und seit 1999 beobachtet man einen kontinuierlichen Rückgang. Eine Vergleichsstudie an deutschen, österreichischen und Schweizer Kindern deckte für alle drei Nationen geringere Leistungen im Vergleich zu früheren Untersuchungen auf. Parallel dazu nehmen Hyperaktivität, auffälliges Verhalten, Aggressivität und Lernstörungen bei Kindern immer weiter zu. Immer mehr Menschen leiden an Depressionen. Weltweit nehmen Hirnstörungen zu: Alzheimer, Parkinson, multiple Sklerose. Was ist nur passiert? Was bringt uns so um den Verstand?

In seinem Buch „Die Ernährungslüge – Wie uns die Lebensmittelindustrie um den Verstand bringt“ deckt der Ernährungsexperte und Bestsellerautor Hans-Ulrich Grimm auf: Die vielfältigen Zusatzstoffe in scheinbar harmlosen industriellen Nahrungsmitteln richten katastrophale Geschehnisse in unserem Gehirn an! In Fast Food und Imbissprodukten, Tütensuppen, Tütensaucen, Fertiggerichten, Fertigpizza, Kuchen-Fertigteigen, Soft Puddings, künstlichen Süßstoffe, Gummibärchen, Chips, Cola und Limonaden-Getränken u.v.m. stecken gesundheitliche Risiken und Gefahren: Diese industriell gefertigten Produkte enthalten künstliche Farbstoffe, Geschmacksverstärker wie Glutamat, künstliche Süßstoffe wie Aspartam, Stabilisatoren usw., die unserem Gehirn gar nicht gut tun. Dazu kommt, dass auf der anderen Seite das Gehirn an Mangelerscheinungen leidet: zu wenig Vitamine, Enzyme, Antioxidanzien und hochwertige Fettsäuren, wie sie in natürlicher Nahrung, in frischem Obst und Gemüse, Vollkorn sowie pflanzlichen Ölen vorkommen. „Die industrielle Nahrungsproduktion hat den Lebensmitteln viele Nährstoffe, die lebenswichtig sind fürs Gehirn, ausgetrieben. Und stattdessen Chemikalien eingebaut, die ihm schaden“, schreibt Hans-Ulrich Grimm in „Die Ernährungslüge“.

Mangel im Gehirn

Essen wir uns ins Unglück? Neue Erkenntnisse der Hirnforschung zeigen, dass unser Gehirn wie kaum ein anderes Organ auf Nahrung angewiesen ist. Doch die Qualität der Nahrung lässt immer weiter nach, und damit steigt das Risiko für Geist und Gedächtnis, aber auch für die Psyche. „Schuld daran ist die Nahrungsindustrie und ihr Bestreben, billige Nahrung herzustellen“, ist Hans-Ulrich Grimm überzeugt. Durch Kunstdünger und chemische Gifte in der Landwirtschaft würden zwar die Erträge explodieren, gleichzeitig aber hirnwichtige Bestandteile wie Eisen und bestimmte Fette verschwinden. Die Fette, die unser Hirn benötigt, sind in der Industrienahrung kaum enthalten, stattdessen mampfen wir ungesunde gesättigte Fettsäuren und Transfette. „Ganze Generationen von Kindern leben überwiegend von Junk-Food. Und das ist definitiv Gift für das Gehirn. Es fehlt nämlich an den feinen Fetten, die die Gedanken besser flutschen lassen, den so genannten Omega-3-Fetten“, so Hans-Ulrich Grimm.

Künstliche Farbstoffe – Gift fürs Hirn?

Künstliche Farbstoffe verändern Verhalten und Lernleistung – und werden vor allem von Kindern in hohen Mengen verspeist. „Früher, bei der Zulassung der Chemikalien, gingen die Forscher von einer durchschnittlichen Tagesdosis von 25 Milligramm aus. Heute schlucken Kleinkinder in ihren Smarties, Soft-Drinks und Bonbons laut einer EU-Studie bis zu 560 Milligramm“, schreibt Grimm. Diese Farbstoffe hätten eine schwerwiegende Auswirkung auf den sich entwickelnden Organismus. So bremse beispielsweise das hübsche pinkfarbene E 127 einer Studie zufolge die Aufnahme aller getesteten Neurotransmitter (Substanzen, die im Nervensystem die Erregung weiterleiten). Das gelbe E102 stehe laut einer britischen Studie an 486 Kindern mit dem so genannten Zappelphilipp-Syndrom, erhöhter Hyperaktivität und Aggressivität im Zusammenhang.

Glutamat und Aspartam – Risikofaktor für Alzheimer & Co.

Ernährungsexperte Hans-Ulrich Grimm warnt: „Der Geschmacksverstärker Glutamat steht neben dem Süßstoff Aspartam im Verdacht, in großen Mengen neurotoxisch zu wirken.“ Das heißt: Gift für Nerven- und Hirnzellen. Glutamat könne bei neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer, Parkinson und der Multiplen Sklerose eine unheilvolle Rolle spielen. “Zuviel Glutamat bringt uns um den Verstand”, zitiert Grimm den Alzheimer-Forscher Professor Konrad Beyreuther. Glutamat steht darüber hinaus im Verdacht, Kopfweh, Übelkeit und Erbrechen auszulösen sowie Hitzewallungen und Herzklopfen. Doch die Behörden halten den Stoff für harmlos –gestützt auf Studien im Auftrag der Industrie, so Grimm.

Der Geschmacksverstärker Glutamat ist der wichtigste Zusatz der Nahrungsindustrie. Burger, Wurstwaren, Pizzen, Fertiggerichte, Tütensuppen, Knabberartikel wie Chips und viele andere Produkte bekommen dank Glutamat eine fleischig-würzige Note. „Wer vorsichtshalber seinem Hirn zuliebe auf den zweifelhaften Geschmack verzichten möchte, sollte generell industriell hergestellte Instant- und Fertiggerichte, gewürzte Snacks und Speisewürze meiden“, so Grimm in „Die Ernährungslüge“.

Der Süßstoff Aspartam begünstige nach Ansicht einiger Wissenschaftler die Entstehung von Hirntumoren und schädige die Nervenzellen des Gehirns. Aspartam ist unter Bezeichnungen wie „NutraSweet“, „Candaral“ oder „Seneca“ in zahlreichen „Diät“- und „Light“-produkten (z.B. Cola light und andere Softdrinks) sowie in zuckerfreien Süßwaren enthalten.

Das Gehirn will gute Nahrung

Der Ernährungswissenschaftler Hans-Ulrich Grimm ist überzeugt: „Durch hirnfreundliche Nahrung werden die Kinder klüger, die Erwachsenen glücklicher, die Alten weniger vergesslich.“ Neueste Erkenntnisse der Hirnforscher beweisen: Das Gehirn reagiert besonders sensibel auf Stoffe in der Nahrung. Unser Gehirn ist in der Lage, sich ständig zu verändern, zu reparieren und zu wachsen. Durch die richtige Ernährung kann bei Kindern und Erwachsenen der IQ, die Leistungsfähigkeit und Ausgeglichenheit gesteigert werden.

Welche Nahrung ist denn nun gut für unser Hirn und den gesamten Körper? – Alles, was die Natur uns bietet: Täglich frisches Gemüse, Obst, Salate und Kräuter aus biologischem Anbau (also so giftfrei wie möglich), biologisches Vollkornbrot (achten Sie darauf, dass der Keimling enthalten ist!) und kaltgepresste pflanzliche Öle.

Kochen Sie wieder selbst! Studien zeigen, dass Selbstgekochtes deutlich mehr Vitamine enthält als Fertiggerichte. Langsames Garen der Speisen ist gut fürs Hirn: dabei lösen sich zahlreiche Mineralstoffe – und auch die natürlichen Geschmacksstoffe, die Ribonukleotide.

Verwenden Sie beim Würzen ausschließlich natürliche Zutaten: Vermeiden Sie industrielle Produkte wie Fondor (enthält Glutamat!) und glutamathaltigen Brühwürfel. Bio-Würze enthält kein Glutamat, glutamatempfindliche Menschen sollten darauf achten, dass die Bio-Würze ohne Hefezusatz ist – diese kann ähnliche Wirkungen haben wie Glutamat.

Unser Gehirn braucht essentielle Fettsäuren und mehrfach ungesättigte Fette: Hans-Ulrich Grimm weist darauf hin, dass 60 Prozent des Gehirns auch verschiedenen fettartigen Substanzen, auch Lipide genannt bestehen. Doch bekanntlich ist Fett ist nicht gleich Fett! Vermeiden Sie gesättigte Fettsäuren, wie sie in tierischen Produkten (Fleisch- und Milchprodukte) vorkommen – durch ein Überangebot an ungeeigneten und eher schädlichen Fettsäuren könne das Hirn dauerhafte Schäden davontragen, so Hans-Ulrich Grimm. Leisten Sie sich Ihrem Gehirn und Ihrer Gesundheit zuliebe gerade bei Ölen das Beste vom Besten: Kaltgepresstes Olivenöl, Sonnenblumenöl, Sesamöl, Weizenkeimöl, Kürbiskerne, Nüsse und Avocado. Die wichtigen Omega-3-Fettsäuren sind in grünem Blattgemüse, Nüssen, Leinsamen und vor allem Leinöl enthalten.

In allen frischen Obst- und Gemüsesorten sind reichlich Antioxidanzien enthalten – die „Allzweckwaffe gegen das zerstörerische Werk freier Radikaler“, wie Grimm es nennt. Beerenfrüchte wie Blaubeeren und Erdbeeren enthalten große Mengen an Antioxidanzien und schützen so das Gehirn: Die Flavonoide in den Beeren und vielen anderen Obst- und Gemüsesorten haben eine verjüngende Wirkung. Blaubeeren sollen sogar in der Lage sein, altersbedingte Schäden an Nervenzellen rückgängig zu machen. In Möhren, Kohl, Spinat, Tomaten, Wassermelonen, rote Grapefruit und Aprikosen kommen viele Karotinoide vor, das sind Antioxidanzien, die unsere Gehirnzellen vor alterbedingten Schäden durch freie Radikale schützen. „Eine französische Studie kam zu dem Ergebnis, dass die Gedächtnisleistungen älterer Menschen umso besser sind, je höher die Konzentration der Karotinoide im Blut ist“, schreibt Grimm.

Essen Sie Vollkornprodukte! Vollkornbrot versorgt uns mit Chrom: dies wirkt antidepressiv, während ein Chrommangel zu einer Glukoseunterversorgung des Gehirns führt. Weizenkeimlinge haben einen besonders hohen Chromgehalt. Auch Folsäure, die in jedem Lebensalter unerlässlich für die Funktion des Nervensystems ist, ist in Vollkornprodukten enthalten. Verwenden Sie Bio-Vollkornprodukte, damit Sie keine Gifte und chemischen Zusatzstoffe mitgeliefert bekommen und achten Sie darauf, dass der Keimling enthalten ist!

„Die Ernährungslüge“ gehört in jeden Haushalt

„Die Ernährungslüge. Wie uns die Lebensmittelindustrie um den Verstand bringt“ von Hans-Ulrich Grimm ist ein unverzichtbares Buch für alle, die sich bewusst ernähren wollen. „Nach der Lektüre wird man nur noch frisch kochen wollen. Und wer nicht so reagiert, ist ohnehin schon des Wahnsinns fette Beute“, schrieb das Magazin STERN. Das Taschenbuch ist nur so gespickt mit Informationen und dennoch locker-flockig im Erzählstil geschrieben, dass Sie es kaum noch aus der Hand legen werden. Am Ende des Buches finden Sie ein kleines Lexikon: „Was nützt, was schadet: Das ABC der Hirnernährung“. Hier finden Sie komprimiert und alphabetisch geordnet alles, was man wissen muss, von Acetyl-L-Carnitin bis Zucker.
Wer sich noch ausführlicher von A bis Z informieren möchte, dem sei das Lexikon von Hans-Ulrich Grimm empfohlen: „Die Ernährungsfalle: Wie die Lebensmittelindustrie unser Essen manipuliert“.

Weitere Bücher von Hans-Ulrich Grimm

Ulrich Grimm, geboren 1955, ist freier Journalist und Autor zahlreicher Bestseller. Er gilt als DER Experte für Ernährung, Lebensmittel und Verbraucherthemen in Deutschland. Sein wichtigstes Werk, »Die Suppe lügt«, ist in einer Gesamtauflage von über 180.000 Exemplaren erschienen und gilt als Klassiker der modernen Ernährungskritik. Hans-Ulrich Grimm lebt in Stuttgart und betreibt mit einem Team aus Wissenschaftlern und Journalisten den Ernährungsinformationsdienst »Dr. Watson – Der Food Detektiv«. Diese Internet-Datenbank umfasst die bisher umfangreichste Sammlung an Informationen über Zusatzstoffe in Lebensmitteln und die damit verbundenen Gesundheitsrisiken.

Informationen: www.food-detektiv.de

Die Ernährungslüge

Farbstoffe, Glutamat und Co.: Nicht immer ist uns bewusst, was alles drin ist in unserer täglichen Nahrung. Und welche Auswirkungen die mangelnde Qualität unseres Essens auf unsere Gesundheit und unser Gehirn hat.

Hans-Ulrich Grimm: Die Ernährungslüge. Wie uns die Lebensmittelindustrie um den Verstand bringt.
Taschenbuch, Knaur, 10. Auflage 2011.
ISBN-10: 3426783932
ISBN-13: 978-3426783931
Preis: 8,99 Euro

Die Ernährungsfalle

Zum ersten Mal gibt Wahrheiten über die Bestandteile unseres täglichen Essens und wie die Lebensmittelindustrie unsere Nahrung manipuliert auf einen Blick: Über 300 Stichwörter von A wie Aromastoffe bis Z wie Zusatzstoffe.

Ulrich Grimm: Die Ernährungsfalle: Wie die Lebensmittelindustrie unser Essen manipuliert – Das Lexikon.
Gebundene Ausgabe, 528 Seiten. Heyne Verlag, 2010.
ISBN-10: 3453170741
ISBN-13: 978-3453170742
Preis: 19,99 Euro

 

Von Julia Brunke